Liebe Kara,

 

      

wir möchten heute Abschied von Dir nehmen und Dein Schicksal aller Welt mitteilen.

Seit Du am 14.05.2005 Deinen Besitzern entlaufen bist, war erst einmal der Aufschrei der Bevölkerung Deines Heimatortes groß, da viele Menschen immer noch nicht begriffen haben, das die Bullmastiff´s nicht zu den Hunderassen zählen, die auf der Rasseliste der gefährlichen Hunde stehen.

Als wir einige Tage später davon erfuhren, begannen wir mit unserer Suche nach Dir. Es war nicht einfach, denn wir hatten nur wenige Anhaltspunkte, wo Du Dich ungefähr aufhalten konntest. Da Deine Besitzer schon nach ca. zwei Wochen aufgaben und den leichteren Weg gingen, indem sie sich einfach einen neuen Hund kauften, wurde unsere Suche nach Dir umso eifriger.

Jeden Tag kamen wir ein- bis zweimal um nach Dir zu sehen und um Dich zu füttern. Du warst so dünn, die Rippen und die Wirbelsäule traten deutlich hervor.

Schnell kam eine gewisse Routine, Du hattest Deinen Platz in Deinem Wald, wo wir eine feste Futterstelle für Dich einrichteten und wo immer frisches Wasser für Dich bereit stand.

Wir freuten uns, wenn Du abends auf uns wartetest, weil Du wusstest dass wir wieder Futter für Dich hatten. Zwar waren wir immer traurig, dass sobald Deine großen angsterfüllten Augen uns anschauten Du vor uns flüchtetest, aber sobald wir genug Platz zwischen uns schafften, kamst Du wieder und nahmst unser Futter dankbar an.

Wochenlang kamen wir Abend für Abend und immer in der Hoffnung, dass Du irgendwann mit uns gehen würdest, doch immer wieder ergriffst Du die Flucht. Sobald wir zu nah kamen, ranntest Du voller Panik und mit eingezogener Rute weg. Nie konntest Du Dein Futter in Ruhe aufnehmen, immerzu schauten sich Deine großen Augen ängstlich um, damit Du schnell flüchten konntest, sobald „Gefahr“ droht.

Was ist in Deinem kurzen Leben nur mit Dir geschehen, was hat man Dir nur angetan, das Du solch große Angst vor dem Menschen hast, der doch eigentlich Dein Freund sein soll???

Wir gaben trotzdem nicht auf, egal ob Hitze oder Gewitter, wir kamen immer wieder und suchten nach Dir und einer Möglichkeit wie wir Dich bekommen könnten. Wir schöpften und probierten alles aus, jede Idee wurde in die Tat umgesetzt. Jeden Abend fuhren wir enttäuscht und deprimiert nach Hause und immer beschlich uns die Angst, die Angst, dass wir eines Tages kommen und Du nicht mehr da sein wirst.

Dieser Tag kam schnell. Wir suchten tagelang, die Futterstelle war nicht benutzt, Dein Futter lag noch da und wir fanden Dich nicht. Wir suchten überall, verrückt vor Angst um Dich, aber wir fanden Dich einfach nicht.

Dann kam die Schreckensnachricht.

Am Samstag, den 16.07.2005 um 9.00 Uhr hallten im Wald  zwei Schüsse. Diese Schüsse galten Dir. Ein Jäger knallte Dich erbarmungslos ab. Vielleicht als Du an der Futterstelle auf uns gewartet hast, oder vielleicht im Schlaf, vielleicht hast Du auch voller Angst versucht zu flüchten. Wir wissen es nicht und der Gedanke daran lässt uns so wütend und traurig werden.

Ausgerechnet in diesem Augenblick waren wir nicht da und konnten Dir nicht helfen und Dich vor der Bestie „Mensch“ bewahren. Liebe Kara, es tut uns so leid.

In Deinem Wald, wo Du doch immer auf uns gewartet hast. In dem Wald wo Dein Futter und Dein Wasser stand. In dem Wald, wo Du Dich hin geflüchtet hast, wenn Du Dich vor etwas fürchtetest. In dem Wald wo Du Dich sicher fühltest.

Für uns stellt sich immerzu die Frage WARUM????? Du hast niemandem etwas getan, immer auf der Flucht vor dem Menschen, es ging niemals eine Gefahr weder für Mensch noch für Tier von Dir aus.

 

? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? W A R U M ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ?

 

Wir wollten und konnten es nicht glauben, also fuhren wir weiterhin jeden Abend zu Deinem Wald und suchten. Du warst nicht mehr da. Wir suchten weiträumiger alles ab, aber wir konnten Dich einfach nicht finden. Deine Futterstelle blieb weiter unberührt, aber wir gaben nicht auf und suchten weiter, obwohl uns klar war, Du bist nicht mehr da.

Wir sind so tief erschüttert, wütend, enttäuscht und zutiefst traurig.

Du bist auf die Welt gekommen und hast den Mensch als Feind kennen gelernt und bist von dem Feind Mensch aus dem Leben gerissen worden.

Wir hätten Dir so gerne gezeigt, dass ein Hundeleben überaus lebenswert und schön sein kann. Das es durchaus auch Menschen gibt, die gut und lieb zu Dir sind, Dir Geborgenheit, Wärme und Liebe schenken. Wir konnten Dich zwar nie in den Arm nehmen oder Dich einfach nur einmal streicheln, aber uns verbindet so viel mit Dir. Wir werden Dich nicht vergessen, in unseren Gedanken werden wir weiterhin auf der Suche nach Dir sein.

Liebe Kara, eines wissen wir mit Sicherheit, dort wo Du jetzt bist, geht es Dir gut. Du brauchst keine Angst mehr zu haben, denn niemand kann Dir jetzt noch Leid antun. Du wirst immer genug Futter und Wasser haben. Für Dich wird immer die Sonne scheinen und Du hast viele Freunde, mit denen Du jetzt spielen kannst. Wir wissen Du wartest an der Regenbogenbrücke und wir werden uns irgendwann wieder sehen. Dann werden wir Dich in den Arm nehmen und nie wieder lassen wir Dich los.

Leb wohl, liebe Kara.